Wie können sich Therapeuten anerkennen lassen? Wie erreichen Sie die Rückerstattung ihrer Behandlungskosten?

Ist es ein langer Weg für einen Therapeuten oder eine Therapeutin von der ASCA anerkannt zu werden? Wir sind der Meinung, dass wir Ihnen mit einigen Informationen und Ratschlägen das Leben erleichtern können, wenn Sie eine therapeutische Tätigkeit ausüben oder ausüben möchten!

→ Bitte beachten Sie, dass es sich bei den folgenden Angaben um keine verbindlichen Informationen handelt. Denn es ist immer möglich, dass sich die aktuelle Situation ändert. Es ist unser Anliegen Ihnen eine Orientierungshilfe und einige nützliche Adressen zu geben.
 

1. Etappe für Therapeuten: Ausbildung

Um von der ASCA anerkannt zu werden, müssen Sie als erstes in einer oder mehreren von der ASCA akkreditierten Schulen die folgenden Ausbildungen absolviert haben:

  • Stufe 1, Medizinische Grundlagen: für alle therapeutischen Tätigkeiten (Anatomie, Pathologie, Physiologie: kurz APP)
  • Stufe 2, Fachspezifische Ausbildung
  • Stufe 3, Allgemeine Pathologie: für einige therapeutische Tätigkeiten (APP-Vertiefung für bestimmte Gesundheitsmethoden)

 

2. Etappe für Therapeuten: Registrierung bei den zuständigen Behörden

Je nach Kanton in dem Sie praktizieren möchten, sind die gesetzlichen Bestimmungen anderes geregelt. Informieren sie sich diesbezüglich beim zuständigen kantonalen Amt. In einigen Kantonen brauchen Sie eine Berufsausübungsbewilligung.

Im Forum der GSDS, das Ihnen zur Verfügung steht, können Sie alle Ihre Fragen zur Vorgehensweise, zu Gesetzen und anderes stellen.

 

Dritte Etappe für Therapeuten: Die Rückerstattung Ihrer Leistungen erhalten

Die Möglichkeit der Rückerstattung hängt von den Komplementärversicherungen ab (private Verträge). Diese entscheiden, ob sie eine therapeutische Leistung rückvergüten oder nicht und das zu ihren eigenen Kriterien.

Im Folgenden finden Sie eine Darstellung der grossen Labels und Vereinigungen, sowie auch ihre Anforderungen für eine Rückvergütung im Falle einer Aggregation bzw. Zertifizierung.

 


Die schweizerische Stiftung für Komplementärmedizin ASCA

Die ASCA ist eine neutrale Non-Profit-Organisation, die neben anderen Organisationen, Normen für die Ausbildung der Komplementärtherapeutinnen und -therapeuten vorgibt. Bei der ASCA handelt es sich um eine Aggregation, also ein Zusammenschluss von Therapeutinnen und Therapeuten in der ganzen Schweiz. Die ASCA-Aggregation erlaubt die Rückerstattung der Behandlungskosten von den folgenden Krankenkassen: Groupe Mutuel, AMB, Krankenkasse Wädenswil, SWICA, SANITAS, INTRAS, ASSURA, SYMPANY, RHENUSANA, FKB

Um anerkannt zu werden, ist es ratsam das Allgemeine Anerkennungsreglement für Gesundheitspraktiker und –praktikerinnen (ARG) zu konsultieren. Folgende Bedingungen müssen erfüllt sein:

    Medizinische Grundlagen Stufe 1 (Anatomie – Physiologie – Pathologie) von 150 Stunden, ASCA zertifiziert. Es handelt sich dabei um ein theoretisches Studium der Funktionsweise des menschlichen Körpers.

    – Praktische Ausbildung in einer von der ASCA anerkannten Methode. Man spricht hier von der Stufe 2. Details finden Sie in der ASCA-Methodenliste.

    – Plus 300 Stunden Ausbildung in Physiologie für Fortgeschrittene. Es handelt sich dabei um die Ausbildung der Stufe 3, wodurch insbesondere ein vertieftes Studium der Pathologie ermöglicht wird. Diese Ausbildung ist nur für gewisse Methoden obligatorisch, wie zum Beispiel Akupunktur oder Phytotherapie.

 

Das ErfahrungsMedizinische Register EMR

Das EMR ist eine Dienststelle, welche von einer privaten Gesellschaft aus Basel, Eskamed AG, gegründet wurde. Das EMR gibt Normen für die Zertifizierung der Therapeutinnen und Therapeuten vor, die eine erfahrungsmedizinische Methode praktizieren. (Bei einer erfahrungsmedizinische Methode handelt es sich um eine in der Alternativ- und Komplementärmedizin praktizierten Methode.)

Die EMR-Normen verlangen eine schulmedizinische Ausbildung: Die Anzahl an Stunden variiert je nach praktischer Methode zwischen 150 Stunden bis zu 350 Stunden, oder kann sogar bis zu 600 Stunden gehen. (Die schulmedizinische Ausbildung von 150 Stunden entspricht der 1. Stufe der ASCA). Auch die Stundenzahl der praktischen Ausbildung einer anerkannten Methode in der Erfahrungsmedizin kann variieren, (was der 2. Stufe der ASCA entspricht). Siehe: Methodenliste des EMR

 Ein beachtenswerter Unterschied zur ASCA besteht darin, dass das EMR keine Schulen zertifiziert. Es liegt also bei den Therapeutinnen und Therapeuten die Beweise für die Qualität ihrer Ausbildung zu liefern. (Am Ende Ihrer Ausbildung an der GSDS, werden wir Ihnen die nötigen Dokumente geben, die Sie ans EMR schicken müssen).

Bevor das EMR eine Therapeutin oder einen Therapeuten zertifiziert, wird die Attestierung von 250 Stunden praktischer Erfahrung verlangt. Einmal zertifiziert müssen die Therapeutinnen und Therapeuten pro Jahr mindestens 20 Stunden Weiterbildung nachweisen.

 Letztens ist erwähnenswert, dass das EMR ein Label anbietet und im Gegensatz zur ASCA keine Aggregation darstellt. Das Register der zertifizierten Therapeutinnen und Therapeuten wird gehalten und den Versicherungsgesellschaften zur Verfügung gestellt, die daraufhin entscheiden, ob sie die Behandlungskosten der Therapeutinnen und Therapeuten rückerstatten oder nicht. Das Label EMR garantiert Ihnen also nicht, dass den Patienten die Behandlungskosten automatisch rückerstattet werden. Hierzu konsultieren Sie bitte das Reglement des EMR.

 

Naturärzte Vereinigung Schweiz NVS

Die NVS hat die Qualitätssicherungsstelle für Naturheilkunde und Komplementärtherapie SPAK eingeführt.

Das SPAK definiert zwei Labels: Das Label AN für die Praktiken der Naturopathie/Naturtherapie (alternative Medizin) und das Label AS für Praktiken der Komplementärtherapie.
Für das Label AN sind 1200 Stunden Ausbildung in Naturopathie/Naturtherapie verlangt und davon mindestens 600 Stunden in Schulmedizin. Für das Label AS mindestens 150 Stunden praktische Ausbildung in einer von der SPAK anerkannten Methode und mindestens 420 Stunden Ausbildung in Schulmedizin.

Das SPAK verlangt 250 Stunden praktische Erfahrung bevor es die Therapeutinnen und Therapeuten zertifiziert. Ebenfalls werden die Kabinette inspiziert. Die zertifizierten Therapeutinnen und Therapeuten verpflichten sich jedes Jahr eine Weiterbildung von mindestens 20 Stunden zu absolvieren.

 

4. Etappe für Therapeuten: Weiterbildungen

Von der ASCA anerkannte Therapeutinnen und Therapeuten besuchen pro Jahr eine mindestens 16 stündige Weiterbildung.

 

Weitere Informationen und nützliche Links:

Im Folgenden finden Sie Links zu Seiten, welche nützliche Informationen für Sie bereithalten.

Der Dakomed, Dachverband Komplementärmedizin, hat sich die Aufgabe gesetzt die politische Anerkennung der Komplementärmedizin in der Schweiz voranzutreiben. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass er für das Initiativkomitee „Ja zur Zukunft mit Komplementärmedizin“ das Zepter übernommen hat. Die Initiative wurde im Jahr 2009 angenommen und nun ist das Ziel des Verbandes die Umsetzung dieser Volksabstimmung.

Die OdA KT, Organisation der Arbeitswelt KomplementärTherapie, ist verantwortlich für die Durchführung der Höheren Fachprüfung für den Beruf KomplementärTherapeutin / KomplementärTherapeut mit eidgenössischem Diplom und steht unter der Aufsicht des Staatssekretariates für Bildung, Forschung und Innovation SBFI.

Die OdA AM, Organisation der Arbeitswelt Alternativmedizin, ist für die Durchführung der Höheren Fachprüfung für Naturheilpraktikerinnen und Naturheilpraktiker zuständig und steht ebenfalls unter der Aufsicht des SBFI.

Bei der FAMS, Föderation Alternativ Medizin Schweiz, handelt es sich um den Dachverband der Alternativmedizin in der Schweiz. Die FAMS-Verbände sind alle Mitglieder der Organisation der Arbeitswelt Alternativmedizin OdA AM.

Der Schweizer Verband der anerkannten Naturheilpraktierinnen und -praktiker SVANAH ist ein methodenübergreifender Berufsverband der staatlich geprüften und anerkannten Naturheilpraktikerinnen und Naturheilpraktiker. Sein Ziel ist die schweizweite Etablierung des Berufs der nichtärztlichen Naturheilkunde und Alternativmedizin auf einem hohen Nivau. Die folgenden 3 Fachrichtungen sind anerkannt: Homöpathie, traditionelle chinesische Medizin TCM und traditionelle europäische Naturheilkunde TEN.

Schliesslich können wir diesen Rundgang beenden, indem wir noch die APTN, Association des Praticiens en Thérapies Naturelles erwähnen. Es handelt sich dabei um eine wichtige Anlaufstelle in der Romandie.

***

Sie haben sicher verstanden, dass die aktuelle Situation komplex ist. Wir hoffen jedoch, dass wir Ihnen mit diesem kurzen Überblick betreffend der alternativen und komplementären Therapiemethoden in der Schweiz helfen konnten ihre Ausbildung zu planen und in voller Kenntnis der Sachlage zu sein.

Für Fragen zu Ausbildungen und administrativer Vorgehensweise steht Ihnen unser Forum zur Verfügung.

 
Herzliche Grüsse,
 
François und das GSDS-Team
 
 
 
Referenzen:

Bertrand, D. / M. Ummel / J.-F. Dumoulin, Médecine et Hygiène, 2009.

Kocher, G. / Oggier,W. (ed.), System de santé suisse 2010-2012. Survol de la situation actuelle, 2009.

Oggier, W. (Hg.), System de santé suisse 2015-2017. Survol de la situation actuelle, 2016.

Leave a Reply

Captcha image